Ladungsklau vom Lkw – Planenschlitzer ausbremsen

8. März 2017

Zunächst ist es nur ein Halbmond, der mit einem Teppichmesser in die Lkw-Plane geschlitzt wird. Durch dieses Loch erspähen die Täter ihre mögliche Beute auf der Ladefläche. Der nächste Schnitt erweitert das Loch zur Einstiegsluke und die Ladung wird entwendet.

Immer mehr solcher Raubzüge ziehen sich durch Europa. Besonders Deutschland als Transitland scheint betroffen zu sein. Seit Jahren steigen die Fälle von Ladungsklau immer mehr an. Die jährlichen Schäden werden durch den Gesamtverband Deutscher Versicherungswirtschaft (GDV) auf 300 Millionen Euro beziffert. Die genauen Zahlen bleiben unbekannt.

Die Tat des Planenschlitzens dauert nur wenige Sekunden. Und diese wird immer häufiger verübt. Bisher fehlten konkrete Zahlen, wie oft und wo die Täter zuschlagen. Deswegen unterstützte KRAVAG im vergangen Jahr eine Studie der Hochschule Bremerhaven, die den Ladungsdiebstahl durch das Planen-Aufschlitzen besonders in Augenschein nahm. Die Ergebnisse knüpfen an eine Studie des Instituts für Logistikrecht und Risikomanagement (ILRM) bezüglich Ladungsbetrug und –Unterschlagung aus dem Jahr 2014 an.

Die neuste Studie zeigt, dass jeder zweite der befragten Transportunternehmer seit dem Jahr 2013 mindestens einmal dem Ladungsdiebstahl zum Opfer gefallen ist. Zwei Drittel der Vorfälle wurden durch Planenschlitzen verübt. Die Landeskriminalämter bestätigen diese Zahlen, da sie ebenfalls einen Anstieg an Diebstählen durch Planenschlitzen verzeichneten.

Die Straftat des Planenschlitzens zielt auf keine bestimmte Ware oder Ladung ab. Es ist eine Handlung nach dem Zufallsprinzip. Dieses Delikt kennzeichnet sich besonders durch die fehlende Organisation während der Tat selbst und den fehlenden spezifischen Absatzkanälen für die gestohlene Ware. Das Motto dieser Diebstahlform lautet „Klauen was auf der Ladefläche liegt.“. Das sind die verschiedensten Güter: Computer, Autoteile, Lebensmittel oder Kleidung.

Der Schaden, der durch das Aufschlitzen der Plane entsteht, liegt im Durschnitt bei 3.500 EUR. Bei Ladungsdiebstählen hingegen liegt dieser Wert bei ungefähr 17.000 EUR. Durch diesen relativ niedrig gelegenen Schadenswert ist die Dunkelziffer von Planenschlitz-Vorfällen sehr hoch. Viele Unternehmer versuchen die bürokratischen Vorgänge mit der Polizei und Versicherung häufig zu umgehen und melden deshalb rund ein Viertel der Delikte gar nicht.

Um das Planenschlitzen zu mindern oder gar vorzubeugen, lassen sich verschiedene Maßnahmen ergreifen. Besonders schnittfeste Spezial-Planen bieten Abhilfe. Weitere Möglichkeiten sind Alarmsysteme an den Wagen, nur kurze Aufenthalte an den Rasthöfen direkt an den Autobahnen und die Nutzung von Parkplätzen welche abseitsgelegen sowie taghell erleuchtet sind.

SVG-Tipp: Diverse Aufwendungen für Maßnahmen zur Vermeidung von Diebstählen rund um den Lkw sind über das BAG De-minimis Förderprogramm förderfähig:

  • Diebstahlwarnanlagen
  • Wegfahrsperren
  • Abschließbare Deichsel- und Kupplungssicherungen
  • Siebeinsätze in den Tanks
  • Schnittfeste Gitterplanen
  • Zusätzliche Sperren für das Lenkrad und / oder den Schalthebel
  • Kofferaufbauten mit Hartschale, um das Transportgut vor Planenschlitzern zu schützen
  • So genannte „Panic-Buttons“, durch deren Betätigung in Gefahrensituationen die Polizei und / oder die Zentrale benachrichtigt werden.

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